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  • Thilo

AUSGABE Nr. 11 - METROPOLITAN OPERA

Aktualisiert: 14. Juni 2022


Wer wie ich New York liebt und zudem noch ein Opernliebhaber ist, hat bestimmt nur darauf gewartet, dass ich der Metropolitan Opera meine Liebe gestehe. Das Warten hat ein Ende!

Die Metropolitan Opera- gerne auch MET genannt - ist einzigartig und ihre Geschichte grossartig!


MET – diese drei Buchstaben reichen aus, um das Herz jedes Opernfans höher schlagen zu lassen. Das trifft sogar auf Wiener und Mailänder zu – auch wenn man überschwängliches Lob aus dieser Ecke der Welt eher selten hört. Ich möchte an dieser Stelle auch gleich schlichten: Espresso und Sachertorte sind auch was Feines und das kann niemand so gut wie Ihr beiden. Aber für Oper fahre ich lieber nach New York!


Die Geschichte oder die Sage (beides eignet sich zur Unterhaltung gleichermassen) um die Entstehung der MET ist so packend wie die Liebesgeschichte aus „La Bohème“. Achtung Spoiler: Mimi wird es nicht schaffen. Aber reden wir nicht über den Tod, reden wir über die Geburt! Die Geburt der Met! Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war ganz New York im Opernfieber. Dabei ging es vielen – wie heute auch - nicht nur um das Libretto oder die Koloratur. Vielmehr war das Opernhaus um 1900 der Catwalk der illustren New Yorker Gesellschaft. Sehen und gesehen werden, lautete das Credo. Kurz: Instagram in schwarz-weiss.


Aber nicht nur das Publikum war elitär – auch auf der Bühne durfte nur auftreten wer einen grossen Namen trug so wie zum Beispiel die damalige Star Sopranistin Emma Eames (1865 – 1952).

Ihren Auftritt liess sich die Diva mit stolzen 1'500 Dollar pro Abend vergolden. Diese vermeidlich lächerliche Summe entspräche heute rund 50'000 Dollar pro Abend.


Mit Ausnahme von Anna Netrebko, Renée Fleming, Rolando Villazón oder Jonas Kaufmann müssten Opernsänger selbst heute noch für ein solches Gehalt zusätzlich in Kochsendungen auftreten oder sich mit der Unterschicht der Unterhaltungsindustrie für zwei Wochen in einen Container einschliessen lassen, wo es zwar gleichviel Scheinwerfer, aber dafür weitaus weniger Beifall als auf der grossen Bühne gibt. Emma kannte solche Sorgen nicht. Rechnet man Ihre Gage auf Ihre 400+ Auftritte hoch, so hätte Sie sich an freien Tagen locker die beste Loge leisten können. Hätte! Aber weit gefehlt, denn das grosse Problem der damaligen Oper war, dass Logen rar und daher exklusiv für die Alteingesessenen New Yorker, für sogenanntes »old money« reserviert waren.


Und so kam es, wie es kommen musste. Es war nur eine Frage der Zeit: Maria Louisa Vanderbilt, die Ehefrau von Multimillionär und Eisenbahn-Tycoon William H. Vanderbilt liess sich im noblen Pelz zum damaligen Opernhaus (Academy of Music) fahren, wo man Ihr -OMG- die Loge verweigert. Ich denke jeder von uns musste diese schmerzliche Erfahrung auch schon einmal machen und hat daher grosses Verständnis dafür, dass sie noch an der Kasse einen Nervenzusammenbruch erlitt und mit schätzungsweise 14 Karat zu Boden fiel. Aber erfolgreiche Menschen stehen einmal mehr auf als sie hinfallen – das wusste auch Maria Louisa und ihr Willy.


Amerika ist bekanntlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und die Amerikaner sind ja auch echte Machertypen. Erstrecht, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Also treffen sich die beiden einflussreichsten Millionärsfamilien Rockefeller und Roosevelt mit den Vanderbilts auf ein Gläschen Champagner und beschliessen nach diesem – an Respektlosigkeit nicht zu übertreffenden - Vorfall eine eigene Oper zu bauen. Ein paar Jahre und Flaschen später – am 22. Oktober 1883 - eröffnete schliesslich die Metropolitan Opera – eine privat finanzierte Oper. Grossartig, oder? Vielleicht versuchte ja Elon Musk vor Jahren auch vergeblich einen Nissan Leaf zu kaufen und BÄM – jetzt fahren wir alle im Tesla zur Oper. Great minds think alike!


Die eigene Oper zu finanzieren und zu bauen - das verdient schon grosses Lob, denn man hätte ja auch - wie der gute alte Wagner - die kostengünstige Abkürzung nehmen können und sich die eigene Oper zahlen und bauen lassen. Ne, ne…die Amis haben machen da kurzen Prozess. Schlechte Sicht auf die erste Geige? Zugluft aus den grossen Flügeltüren in der Loge? Zack: eigene Oper. Und was für eine!

Zugegeben: ich hätte mich mehr mit Mahler, Toscanini, Caruso, Pavarotti, Domingo oder Callas beschäftigen können, aber Oper soll ja auch hinter den Kulissen bzw. hinter dem Vorhang Spass machen!


Ich liebe die MET und Ihre Entstehungsgeschichte…und natürlich mag ich auch guten Espresso zur Sachertorte. 

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