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  • Thilo

AUSGABE Nr. 13 - DIVERSITÄT

Aktualisiert: 19. Juni 2022


1984 war ein grosses Filmjahr: Indiana Jones, Gremlins, Ghostbusters und Terminator sprengten alle Besucherrekorde. Das waren die Unterhaltungshighlights meiner Jungend. Während es sich aber bei den genannten Filmen über Höhlenforscher, wasserscheue Kuscheltiere, Geisterjäger oder dem ersten österreichischen Cyborg um triviale Unterhaltungsformate handelte, so stach «The Karate Kid» aus dieser Masse deutlich hervor. Der Film und dessen Protagonist - Meister Miyagi- bescherte uns nicht nur spannende Abende mit Popcorn, sondern fütterte uns auch mit geistiger Nahrung: «The secret to karate lies in the mind and heart». Somit könnte man – fast 40 Jahre benötigte ich für diese Erkenntnis - die Kernaussagen von Meister Miyaagi und diejenige von Immanuel Kant gleichsetzten: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen".


Schon Adam und Eva mussten – jeder für sich - die damals noch überschaubare Situation meistern, dass sie nicht allein auf der Welt sind und, dass das Gegenüber anders ist. Hätte die beiden Diversität damals abgelehnt, gäbe es heute kein 8 Milliarden Menschen.


Im Gegensatz zu 200 Tonnen Reis, - was 8 Milliarden Reiskörnern entspricht - verfügen wir in unserer Welt über deutlich mehr Diversität und sollten entsprechend auch damit umgehen lernen: Nicht nur aus Vernunft, sondern auch aus Respekt und Toleranz gegenüber Mitmenschen. Aber ich möchte niemanden belehren: So wie Meister Miyagi oder Kant, so denke auch ich, dass man selbst zur Erkenntnis gelangen sollte. Frage Dich also:


Weshalb sehen wir mit grösster Bewunderung dem Kolibri beim rückwärts und seitwärts fliegen zu, obwohl das aus der Vogelperspektive doch sehr bizarr ist?


Die Nationalflagge von Belize weicht mit ihren 12 Farben deutlich vom Durchschnitt ab – streicht Du es deswegen von Deiner Reiseliste?


«Snakes Venom» ist mit 67,5 % Alkohol das stärkste Bier der Welt. Ist es nach Deiner Auffassung trotzdem ein «richtiges» Bier oder eher ein seltsamer Whiskey?


In Griechenland und Albanien ist es üblich, für ein «Nein» zu nicken und bei einem «Ja» den Kopf zu schütteln – wer hat nun recht? Keiner? Beide?


Im Durchschnitt hat ein Facebook-Nutzer 342 Freunde. Sind 341 oder 343 Follower noch echte Freunde?


Bei den Seepferdchen übernehmen die Männchen die Schwangerschaft. Bleibt also Herbert Grönemeyer’s Gretchenfrage: Wann ist ein Mann ein Mann?


Die meisten Milliardäre sind vom Sternzeichen Wassermann. Die wenigsten haben das Sternzeichen Krebs. Wie kann also Elon Musk (28. Juni 1971) dennoch mit seinem Privatjet ins All fliegen?


In Japan glaubt man, dass schwarze Katzen Glück bringen. Ist das wahre Glück nicht, dass es auch andere Sichtweisen gibt?


R2-D2 aus «Star Wars» heisst in Italien C1-P8. Ist es nicht traurig, dass sogar Roboter aus den 80ern in manchen Ansichten offener sind als wir?


Wusstest Du, dass die weltbekannte Corbusier-Liege «LC 4» eigentlich von Charlotte Perriand entworfen wurde? Jetzt wo Du es weisst: sollte sie nicht Perriand-Liege heissen?


Weisst du weshalb Paris als Stadt der Liebe gilt? Vermutlich, weil es in der ganzen Stadt nur ein einziges Stoppschild gibt! Mentale Stoppschilder sind der Nährboden für Ablehnung, die sich bis hin zum Hass entfalten kann. Möchten wir nicht lieber in der Welt der Liebe leben? Ist der Durchschnitt wirklich so erstrebenswert? Sollen wir ernsthaft unsere Zeit damit verschwenden, um mit gepuderten Perücken über andere zu urteilen, anstatt unser eigenes Leben zu führen? Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Nein!


Der Mensch ist die selbsternannte Krönung der Schöpfung. Sozusagen der Vogelstrauss unter den Federtieren. Doch das Gehirn des Strausses ist kleiner als sein Augapfel und wer will schon als Strauss leben, wenn man auch ein Kolibri sein darf? Es ist doch so: Ein Reiskorn bleibt ein Reiskorn! Egal ob es sich nun als süsser Milchreis, feuriger Curryreis oder kraftvollen Sake entfalten möchte. Sollte man Mitmenschen gegenüber nicht denselben Respekt zollen?


Toleranz und Bedingungslosigkeit sind eng miteinander verknüpft und dennoch wird Diversität heute meistens unter Vorbehalten geduldet: Männerpaare? Auf jeden Fall, aber bloss nicht bei uns im Block! Frauen in der Chefetage? Gerne, ich konnte die Kaffeemaschine sowieso nie bedienen. Transsexuelle? Wieso nicht, aber bitte nicht vor den Kindern, die verstehen sowas doch gar nicht.


Das Konzept der Vielfalt steht noch ganz am Anfang. Diversität wird heute meist nur toleriert, solange sie den eigenen Horizont nicht überschreitet. Ich widme deshalb diesen Artikel allen, die im Alltag darunter leiden, dass es Menschen gibt, deren eingeschränkter Horizont auf ein Reiskorn passt.



Thilo hat euch alle lieb!

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